Menu

Farbenspiel


© Vera Maria Lafrenz

 

Trübselig, trostlos und alleine saß er auf einer kleinen Bank im Park.
Was hatte er noch zu verlieren! Alles was ihm lieb und teuer war, lag hinter ihm und war unwiederbringlich verloren gegangen.
Sein Name war Schwarz und er sah auch für die Zukunft in ein schwarzes Loch und kleidete sich auch immer danach, er war eben Pessimist.

Die achtlos neben ihm liegende neueste Zeitung interessierte ihn auch nicht mehr, er war eigentlich fast am Ende seines Weges angekommen.
Dabei war er in guten mittleren Jahren, halbwegs gesund, groß, schlank und nicht unsympathisch. Aber seine negative Ausstrahlung ließ auf nicht unbedingt Gutes und Positives schließen.
Schwarz war ja auch die Farbe der tiefen Trauer, der großen Trostlosigkeit, der verbohrten Uneinsichtigkeit, der geheimnisvollen Nacht, aber auch der zeitlosen Eleganz ... dies schien ihn aber alles nicht mehr zu berühren.

Jetzt zur Mittagszeit kamen viele Spaziergänger und Hundebesitzer mit kleinen und größeren Hunden, junge Mütter mit ihren Kindern wie auch einsame Senioren in die Grünanlage mitten in der Stadt. Die Kleinen spielten, tobten und schrieen auf den Spielplätzen, die Hunde bellten fröhlich und ausgelassen, rissen an den Leinen, die Mütter saßen plaudernd, lesend oder handarbeitend auf den umliegenden Parkbänken beieinander, die alten Damen und Herren waren gute Beobachter der Szene und alle zusammen verbreiteten eigentlich friedliche Atmosphäre ...

Bei all dem Trubel wurde Schwarz plötzlich aufmerksam ... seine müden Augen bekamen wieder Glanz! Eine wunderschöne junge Frau mit leuchtend rotem Haar und elegantem roten Kostüm kam leicht schwingenden Schrittes des Weges. Ihr Carisma war unglaublich positiv, lebensbejahend und er konnte seinen Blick nicht von ihr wenden, er war ganz einfach begeistert, von ihrer Erscheinung wie elektrisiert. Sie war die Lebensfreude in Vollendung ...

An der Hand hielt die rothaarige Hübsche einen kleinen Jungen mit goldenen Haaren. Der Knirps hüpfte und zerrte übermütig an ihrem Arm und verbreitete Frohsinn und Glück. Eine goldene Wolke umgab den Kleinen ... er war sozusagen ein Goldjunge ...

Als die Schöne an der Bank von Schwarz vorbeikam, sah sie den Tieftraurigen  zusammengesunken, aber mit hellwachen Augen sie höchst interessiert und bewundernd beobachten.
Sie kam langsam näher und blieb stehen ...

„Warum sind Sie denn so traurig Herr Schwarz, Sie haben doch gar keine tief greifende Veranlassung dazu ... warum freuen Sie sich nicht des Lebens ... „
und geheimnisvoll lächelnd füge sie hinzu „ ... es birgt doch so viele tiefe Geheimnisse und kann ja sooo schön sein ...“
Der Angesprochene war plötzlich wie verwandelt und starrte mit ungläubigen großen Augen beinahe glücklich auf die rote leuchtende schöne Gestalt.

„Wenn ich Sie begleiten und immer an Ihrer Seite sein dürfte, dann werde ich allzeit froh und glücklich sein ...“ stammelte er, stand auf, ging langsam auf die Schöne zu und küsste ihr ehrerbietig und lange die hübsche zierliche Hand.

Klein-Goldi, der Knirps hüpfte und sprang vor Freude und Übermut hin und her, johlte und zerrte am Gehrock von Schwarz und zeigte nicht die geringste Absicht, ihn je wieder loszulassen.

So kam es wie es kommen musste!
Herr Schwarz, Frau Rot – so hieß die schöne Dame – und Knirps Goldi fassten sich liebevoll an den Händen und gingen ab diesem Tage immer zusammen und unzertrennlich durchs Leben. Und dann auch noch glücklich, wie es schien!

Falls Sie, liebe Leser, vielleicht eine Ähnlichkeit zu Schwarz-Rot-Gold, der Deutschen Fahne, festgestellt haben sollten, so kann ich Ihnen versichern, dies wäre wirklich vollkommen unbeabsichtigt und reiner Zufall!