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Klein-Susi


© Vera Maria Lafrenz

Es war einmal – so beginnen alle hübschen Märchen und Geschichten – ein Marienkäfer-Mädchen namens Susi im Kreise ihrer Familie. Das Käferchen träumte immer, etwas Besonderes zu werden und Glück zu bringen.
Susi's Mutter hatte der Kleinen aber gesagt, dass dies nur möglich wäre, wenn auf ihrem roten Panzer sieben schwarze Punkte glänzten, aber ihre Tochter hatte nur fünf. So war das kleine Käferchen traurig und ratlos.
Dabei hatte es Klein-Susi gut, sie lebte in einem Rosengarten, welcher von einem Gärtnermeister, seinem Gesellen und dem Gärtnerlehrling Frank betreut wurde. Auch waren in Susi's Gesellschaft fleißige Bienchen, Hummeln, Raupen, kleine Käfer, hübsche Schmetterlinge, Ameisen kleine und große, aber Klein-Susi konnte und wollte die Worte ihrer Mutter, Siebenpunkt zu sein, nicht vergessen.
Eines Tages fasste das kleine Käferchen den Entschluss, auf Suche zu gehen und jeden zu fragen, der vielleicht Rat wüsste oder helfen könnte in seiner Not.
Es fragte die Raupe: "Sag mal, liebe Raupe, kannst du mir sagen, wie ich zum Glückskäferchen werden kann, sieben Punkte sind doch eine Glückszahl, ich armes Mädchen habe aber nur fünf."
Susi fragte die Ameise, die Hummel, sogar den Regenwurm, keiner wusste Rat. „... es geht dir doch gut, warum bist du denn so unzufrieden….“ schnarrte der Regenwurm ungehalten grimmig und all die kleinen Tiere rundum nickten ernst und zustimmend. In ihrer Ratlosigkeit wandte sich Klein-Susi an das besonders fleißige Bienchen, welches immer frühmorgens zu den Rosen summte und Blütenstaub in großen Mengen sammelte.
"Hallo, guten Morgen fleißiges Bienchen, kannst du mir vielleicht helfen, wie ich Glückskäferchen werden kann? Mein Käferkleid hat nur fünf Punkte und keiner beachtet mich! Das ist doch schrecklich!"
Auch das fleißige Bienchen wusste keinen Rat, versprach aber, ihrer erlauchten Bienenkönigin den Wunsch von Klein-Susi vorzutragen, vielleicht konnte die Königin weiterhelfen.
Tief im Bienenstock, bei den edlen Bienenwachsen und wertvollen Honigen saß die Auserwählte und hörte sich das Problem, von dem fleißigen Bienchen vorgetragen, in Gedanken versunken, nachdenklich an.
"Erlauchte Königin, könnt ihr es vielleicht ermöglichen, Klein-Susi zu helfen, das arme Käferchen ist wirklich sehr unglücklich ..."
Auch das fleißige Bienchen war nun betrübt.
Die Bienen-Königin musste tief und lange nachdenken. Dann verschwand die Auserwählte kurz in einem ihrer Honig-Schatzkammern, kam zurück mit zwei dunkelgoldenen Honigtropfen und verkündete leise und geheimnisvoll„... diese beiden wertvollen Honigtropfen übergibst du mit besten Wünschen deiner lieben Freundin Klein-Susi ..."
Dankbar, glücklich und voller Hoffnung flog das fleißige Bienchen zu ihrer Freundin, die traurig auf einem Rosenblatt schaukelte und eben ihren Durst an einem Tautropfen zu löschen suchte.
In dieser Zeit hatte das kleine Käferchen ein Gespräch zwischen dem Gärtnermeister und seinem Lehrling belauscht, dass Frank nun bald seine Gärtner-Gesellenprüfung machen sollte und Angst davor hatte, durchzufallen.
Jetzt kam das Bienchen geflogen und setzte sich zu Klein-Susi auf das Rosenblatt. "Schau' was ich dir mitgebracht habe", summte das kleine fleißige Bienchen aufgeregt und tupfte ganz behutsam die beiden wertvollen dunkelgoldenen Honigtropfen der Auserwählten auf den Fünf-Punkte-Panzer des unglücklichen Marienkäfer-Mädchens. In diesem Augenblick – wie durch Zauberhand – verwandelten sich die Honiggaben der Bienenkönigin in zwei wunderbar schwarz glänzende Glückspunkte auf Susi's rotem Käferkleid.
Klein- Susi und das fleißige Bienchen waren außer sich vor Freude und seitdem die allerbesten Freundinnen.
Trunken vor Seligkeit flog Klein-Susi von Rose zu Rose und erzählte jedem Tautropfen, jedem Rosenblatt und all den kleinen Raupen, Ameisen, Käferchen und Schmetterlingen: "Ich bin jetzt ein Sieben-Punkt, ich bin nun ein Glückskäferchen, ist das nicht wunderbar!" Gleich danach, kurz entschlossen, flog Klein-Susi auf den Handrücken von Frank, der in der Nähe Gartenarbeit verrichtete.
"Meister, Meister", rief Frank hoch erfreut, "eben hat sich ein Glücks-Marienkäferchen auf meinen Handrücken gesetzt, da muss ich ja die Prüfung bestehen!"
Jetzt wusste Klein-Susi, dass ihr großer Herzenswunsch, ein Glückskäfer zu werden, wirklich in Erfüllung gegangen war.
Selbstverständlich hatte Frank seine Prüfung mit "Gut" bestanden und wurde in späteren Jahren ein sehr gefragter Landschaftsgärtner-Meister.