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Schmatzi


© Vera Maria Lafrenz

 

Unglaublich hungrig, frech und selbstherrlich robbte die kleine freche Raupe Schmatzi zu ihrem nächsten Festmahl, einem knackig saftigen Apfel ...

Die Nimmersatte hatte sich einen wunderschönen Apfelbaum ausgesucht, der mit reifen, köstlichen und knackigen Früchten über und über bestückt war.

Allerdings hatte sie auch all ihre gefräßigen Schwestern mitgebracht, die nun mit großem Hallo, Freude, unbändigem Übermut und Heißhunger über Blätter und Früchte des armen Apfelbaums wie eine dunkle unheimliche Wolke hergefallen waren.

„He, hallo Schmatzi, dein Tipp, hierher zukommen und mit dir und unseren Freundinnen zu knabbern und zu schlemmern, diese Idee war einzigartig, wir werden richtig rund und satt, mmhh, schmatz, schmatz, welch´ herrlich saftiges Fruchtfleisch haben die roten knackigen Äpfel hier ...“ rief voll Begeisterung Schmatzis vielbeinige Nachbarin und bohrte sich knabbernd und schmatzend mit Ausdauer und Genuss in die nächst hängende Frucht.

Der unglückliche Apfelbaum, der in einem kleinen Garten am Ende des Dorfes stand und bisher von solchen unguten gefräßigen Besuchern verschont geblieben war, stöhnte leise und ausdauernd vor sich hin ...

„Nein wie schrecklich, meine schönen, knackigen Früchte, was wird aus ihnen, wenn ich diese unmögliche, freche Raupenplage, die gefräßige, nimmersatte, unverschämte Bande nicht bald loswerden kann?

Immer war ich stolz auf meine so begehrten schönen roten Äpfel mit köstlichem Geschmack. Jetzt haben überaus gefräßige freche Plagegeister meine Früchte überfallen und werden sie zerstören ... oh weh, oh weh, was soll ich nur tun?“

Am Gartenzaun saß schon seit längerer Zeit eine Amsel und wartete auf ihre gefiederte Freundin. Dieser kluge kleine Vogel hörte das Wehklagen des Apfelbaumes, legte sein Köpfchen schief, lauschte noch mal und flog dann in einen oberen Ast des Apfelbaumes, der von der gefräßigen Gesellschaft bisher noch nicht eingenommen worden war.

„Tirili, tirili, was habe ich da gehört und auch schon gesehen ..." trillerte die kluge Amsel neugierig „du hast ungebetenen lästigen Besuch und kannst ihn nicht wieder loswerden tirili, tirili?“

„Ja, ja, so ist es und ich bin so schrecklich unglücklich und weiß nicht, wie ich mich gegen diese gefräßige Bande wehren soll" stöhnte ganz geknickt und traurig der sonst so stolze Apfelbaum.

Einige Momente zögerte die kleine Amsel mit ihrer Antwort, aber dann jubilierte sie „ ... aber ich weiß, tirili, wie ich dich von deinen gefräßigen, unverschämten Besuchern befreien kann, tirili, tirili, bis später, tirili ...“ und flog pfeilschnell in den blauen Nachmittagshimmel hinaus.

Einige Minuten danach konnte man nur das genussvolle Schmatzen der zahlreichen Raupen vernehmen, die im Begriffe waren, immer mehr knackige Äpfel anzufressen und dadurch ungenießbar zu machen.

Aber was war das?

Urplötzlich verdunkelte sich der Himmel über dem kleinen Garten und dem unglücklichen Apfelbaum und unzählige Vögel, Amseln, Drosseln, Stare, Elstern, Rotkehlchen, Goldammer, Spatzen und Meisen hatten sich als Ziel den Apfelbaum gewählt.

Schmatzi, die freche dicke Raupe hatte erschrocken die Gefahr sofort erkannt, wollte sich hektisch und ängstlich in einem Apfel, den sie schon so genussvoll ausgehöhlt hatte, verkriechen, aber nein, zu spät zu spät. „Aua, aua, du unverschämter gefräßiger Vogel, was willst du von mir, lass mich in Frieden, oh nein, aua, das kannst du doch nicht mit mir machen ..." jammerte die Nimmersatte kläglich.

Die kluge Amsel, die all ihre Vogelfreunde zu Hilfe geholt hatte, zerrte so lange und ausdauernd an Schmatzis dickem Schwanzende, bis sie den frechen Brocken zwischen ihrem Schnabel hatte und dann als delikates Menu genussvoll verspeiste.

Und all die anderen Vögel groß und klein waren voll Vergnügen und Heißhunger dabei, die frechen unverschämten Raupen zu ihrem Abendschmaus zu machen.

Das laute Wehklagen der zahlreichen grünen Plagegeister half jetzt gar nichts mehr, die gefiederten Feinschmecker leisteten gute und gründliche Arbeit ...

So waren dem stolzen Apfelbaum doch noch viele nicht angeknabberte Früchte geblieben, die dann wenig später von den Nachbarskindern mit viel Freude und Vergnügen gepflückt werden konnten.

Unendlich dankbar war der Apfelbaum seiner Retterin und der fleißigen Vogelschar.
Den gut gemeinten Vorschlag, doch das Familiennest in seinen Zweigen zu bauen, nahm die kluge Amsel mit Freuden an.

Beide hatten sich gegenseitig geholfen und verbrachten ab diesem denkwürdigen Tage viele schöne Stunden zusammen, der Apfelbaum und Familie Amsel.