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Stern-Polsterl


© Vera Maria Lafrenz

 

Es war einmal – so beginnen alle hübschen Märchen und Geschichten – ein Kissen aus gelbem Stoff.
Ihr lieben Leser werdet nun sagen, dies ist doch nichts besonderes, aber vielleicht war dieses Stern-Polsterl doch ein wenig anders als andere Kissen. Und genau davon wollte ich Euch heute erzählen ...

Die Advents-Zeit stand vor der Tür und Oma Hilde hatte kein Geschenk für ihre Tochter Nicole. So entschloss sie sich nach längerer Überlegung, ein Kissen – oder wie man so schön sagt – ein Polsterl in Form eines Adventsternes zu nähen. Stoff in goldgelb war vorhanden und so ging sie an die Arbeit, um rechtzeitig den Polsterl-Stern ihrer Tochter Nicole schenken zu können.

Oma Hilde war sehr liebevoll und aufmerksam in der Ausfertigung dieses Sterns, nähte fleißig und stopfte ihn weich mit alter Wolle und Stoffresten aus.

An den Sternenspitzen befestigte sie niedliche silberne Glöckchen, auf der einen Seite des Polsterls nähte sie mehrere kleine Sterne an und auf der anderen Seite hatte sie den Vollmond mit lächelndem Gesicht vorgesehen.
Im großen und ganzen war es ein wirklich hübsches und einzigartiges Geschenk mit viel Liebe erstellt. Oma Hilde freute sich, dass ihr das Polsterl so gut gelungen war.

Ihre Tochter Nicole und die kleine Milli – ihre Enkeltochter – lebten alleine und Oma versuchte so viel wie möglich zu helfen, auf Klein-Milli zu achten und sie vom Kindergarten abzuholen, wenn ihre Tochter halbtags als Verkäuferin in einem Schuhgeschäft arbeitete.

Jetzt in der Vorweihnachtszeit waren die Kunden auch interessierter, kauffreudiger und anspruchsvoller als sonst und Nicole bemühte sich, so viele Schuhpaare wie möglich zu verkaufen.

In der Advents-Zeit rückt die Familie besonders nah zusammen und so hatte Tochter Nicole ihre Mutter Hilde zum Advents-Kaffee eingeladen und die beiden Frauen – trotz ihrer Sorgen – hatten vieles zu beraten und zu erzählen.
Auch wurde leise und intensiv darüber gesprochen, was wohl der Weihnachtsmann der kleinen Milli mitbringen sollte ...

Nicole freute sich zwar über Mutters Adventsgeschenk, den Stoff-Stern, legte ihn aber zur Seite und wusste nicht so recht, was sie damit anfangen sollte. Klein-Milli naschte in der Zwischenzeit heimlich und ausgiebig Omas Schokolade und blätterte neugierig ausdauernd in ihrem von Oma mitgebrachten Bilder-Märchenbuch.
Als Oma Hilde nach Hause gegangen war, brachte Nicole das seltsame Kissen in die Abstellkammer und hatte es in den nächsten Tagen vergessen.

Die Zeit rückte voran, der Weihnachtsabend kam immer näher, Nicole hatte doch - mehr als erwartet - im Schuhgeschäft zu tun und Töchterchen Milli war nun öfter alleine. Das kleine Mädchen war traurig und langweilte sich sehr.

Wenige Tage vor dem Heiligen Abend, an einem grauen Schneeregen- Nachmittag – Mutter Nicole war noch nicht wieder nach Hause gekommen – wusste Milli nicht mehr, was sie nach dem Kindergarten spielen sollte.
Oma war nach Hause gegangen, die Fernseh-Märchen waren schon gesendet, der niedliche Hund des Nachbarn war auch nicht zu beaufsichtigen, leider waren beide – Herr und Hund – verreist, und Puppe und Teddy beeindruckten Klein-Milli heute auch nicht mehr.

Nun suchte die Kleine in der Abstellkammer nach etwas Essbarem, was zum Naschen oder nach was Spielbarem, nach irgend etwas Neuem, was tröstete und Mutters Abwesenheit vorübergehend vergessen ließe, Milli war gar nicht gern alleine.
So fand die Kleine das Stern-Polsterl. Eigentlich war das besondere Kissen doch ganz nett anzusehen ...

Die aufgenähten Sternchen und den Vollmond – milde lächelnd – fand das kleine Mädchen spannend und so schüttelte und rüttelte Milli das Kissen, so dass die niedlichen silbernen Glöckchen hell und fröhlich immer wieder klingelten,
….. kling kling kling …… ringelingeling ……

... und siehe da, die kleinen aufgenähten Sternlein fingen plötzlich an zu blinken und zu leuchten, erzählten Milli viele hübsche Geschichten und der freundliche Vollmond lächelte milde dazu.

Die Sternlein erzählten ...

von unzähligen fleißigen Englein, die Petrus zur Weihnachtszeit helfen mussten, um Santa Claus und das Christkind mit all den gewünschten Geschenken rechtzeitig auszustatten ...

von Rentieren, die im hohen Norden schon sehnsüchtig und ungeduldig auf Santa Claus warteten, um mit dem Weihnachtsschlitten und Hallo durch den tiefen Schnee zu galoppieren und all die folgsamen und braven Kinder in der Heiligen Nacht zu besuchen und zu beschenken ...

von Schneewolken, die die Schneeflocken schüttelten und rüttelten, damit sie auch dort die Landschaft verzauberten, wo die Menschen-kinder viel Schnee zur frohen Weihnachtszeit erwarteten ...

vom einsamen Mann im Mond, der immer sehnsüchtig auf die vielen blinkenden Sternlein guckte, mit ihnen Kontakt aufnehmen wollte und es doch nicht schaffte, weil sie viel zu weit weg waren und oft als Sternschnuppen über den dunklen Nachthimmel sausten ...

und viele viele Geschichten mehr!

Mutter Nicole kam später nach Hause als geplant, war unruhig und ein wenig besorgt, was mit ihrer kleinen Tochter wäre.

Klein-Milli schlief ganz tief und fest, lag wohlig ausgestreckt auf dem Sofa und hatte ganz innig das Stern-Polsterl umschlungen. Sicherlich träumte das kleine Mädchen gerade vom Sandmännchen oder von süßen Puppen und weißen niedlichen Teddybären.

Ganz behutsam trug Mutter Nicole ihre kleine Tochter ins Bett und wagte nicht, ihr den Stern, der ihre Tochter getröstet und glücklich gemacht hatte, wegzunehmen.
Ab diesem Tage war das Stern-Polsterl der geliebte Mittelpunkt im Kinderzimmer.
Klein-Milli und ihr Stern wurden unzertrennlich.

Und wenn die Kleine in den späteren Tagen müde wurde, wusste sie, dass ihr geliebter Stern ihr schöne Träume schenkte und die aufgenähten Sternchen und der liebenswürdig lächelnde Mond immer viel zu erzählen hatten.

So werdet ihr lieben Leser mir sicherlich Recht geben!
Es müssen nicht immer alle Sterne nur am Himmel stehen,
hie und da ist auch mal einer auf die Erde gefallen !