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Willibald



© Vera Maria Lafrenz

 

Es war einmal ein kleiner niedlicher Engel namens Willibald, der zur großen Engelschar von Petrus zählte. Petrus hatte all den kleinen und großen Engelchen dringend ans Herz gelegt, dass besonders Wolke Sieben immer gemütlich, aufgeräumt und für verliebte und glückliche Leutchen freigehalten werden müsste.
Wer von den fleißigen Engelchen zwischendurch mal eine kleine Arbeitspause einlegen wollte, nachdem die Himmelsarbeiten mit all der Verantwortung und Vielfalt getan waren, sollte sich eine weiche aber unscheinbare Nebenwolke aussuchen.
Engel Klein-Willibald hatte diese strenge Anweisung von Petrus zwar gehört und zur Kenntnis genommen, aber wollte doch neugierig ergründen, ob es sich auf dieser gewissen Wolke Sieben vielleicht besser sitzt, liegt und schläft als auf anderen Wolken-Plätzen.
Eines schönen Tages, Willibald war mit seiner Engels-Arbeit fertig und wusste, dass Wolke Sieben im Augenblick zwar in Ordnung aber unbesetzt war, flog er ganz leise und heimlich zu diesem magischen Platz und setzte sich wissend und bequem in die besonders weiche herrliche Wolke.
Ein wohlig-warmes glückliches Gefühl ergriff sein kleines Herz. Arme und Beine wurden schwer und schwerer, seine großen Engelsflügel klappten zur Seite und schwupp, Klein-Willibald war fest eingeschlafen und fing an, intensiv zu träumen.
Plötzlich war er Hirtenjunge zwischen einer großen Schafherde, musste auf all die Lämmer groß und klein aufpassen alleine, nur mit dem alten grimmigen Schäfer und seinen Hunden.
Ein kleines Lämmchen war weggelaufen und nicht mehr aufzufinden. Das beste Mutterschaf hatte sich am Bein verletzt und musste ärztlich versorgt werden. Große Unruhe herrschte in der unüberschaubaren Schafherde ...
Wo war Willibald hingeraten, was war geschehen?
Die Hirtenhunde bellten unaufhörlich laut, der Schäfer schimpfte böse und ausdauernd mit Willibald, weil er langsam und nachlässig gewesen war, nicht aufgepasst hatte und gab ihm links und rechts eine schmerzhafte schallende Ohrfeige. Daraufhin zerrten noch die Hunde an ihm und wollten ihn beißen.
Der Hirtenjunge Willibald weinte, konnte sich gar nicht beruhigen und hatte Angst vor dem bösen Schäfer und seinen Hunden ...
Ein kräftiges unsanftes Schütteln weckte den kleinen Engel aus seinem schlimmen Traum. Petrus stand wutschnaubend und laut schimpfend vor Willibald und fragte noch einmal sehr ernsthaft, ob er nicht die Anweisungen für Wolke Sieben kennen und befolgen wollte.
Zur Strafe hätte er nun die umliegenden kleinen Sterne gründlich zu polieren und dem Sandmännchen beim Auswählen seiner abendlichen Märchen und Träume zu helfen.
Willibald war sehr erschrocken und froh zugleich, aus diesem Traum erwacht zu sein und überließ ab sofort gerne und respektvoll Wolke Sieben den glücklichen und verliebten Erdenbürgern.
Denn Hirtenjunge zu sein wäre wohl sehr verantwortungsvoll und anstrengend, da polierte er lieber die kleinen Sterne zur Strafe und würde künftig auf unscheinbaren Wolken ausruhen.
Und wenn Klein-Willibald nicht weggeflogen ist, dann kümmert er sich sicherlich auch heute noch verantwortungsvoll um Wolke Sieben!